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HÖRPROBEN

KRAFTBAYRISCH - Georg Queri und seine Zeit
Live aus dem Wirthaus zu Asbach
Doppel-CD - 14,80 Euro
erschienen im Dölling und Galitz Verlag, München
Hörproben:

Podex Anus aus Kraftbayrisch (1912).mp3 [5.116 KB]

Gutachten von Ludwig Thoma - 4. November 1912.mp3 [1.326 KB]


Starnberger Merkur 16. Dezember 06 -


Georg Queri - geboren 30. April 1879

Frieding – Fast schon in Vergessenheit geraten, wird der Friedinger Journalist, Heimatdichter und Kriegsberichtserstatter Georg Queri (1879 – 1919) in jüngster Zeit verstärkt wieder entdeckt. Lesungen, CD’s und Neuauflagen seiner Texte erinnern gleichermaßen an den vielseitigen wie auch unbequemen Kritiker, der es sich trotz etlicher Widerstände erlaubte, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Georg Queri fürchtete weder die Geistlichkeit, die ihn so manches Mal wegen seiner „ketzerischen Texte“ zum Teufel gewünscht hatte, noch die Obrigkeit, die versuchte, ihn durch Beschlagnahmung seiner Werke mundtot zu machen. Beispielsweise fasste vor 90 Jahren, genau am 26. Oktober 1912, die Strafkammer beim Landgericht München I den Beschluss, das gerade im Piper-Verlag erschienene Buch „Kraftbayrisch – ein Wörterbuch der erotischen und skatologischen Redensarten der Altbayern“ zu verbieten. Der darauf folgende Prozess wurde erst durch das engagierten Eintreten von Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer und Otto Mausser, dem Leiter der gerade eingesetzten Wörterbuchkommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, zu Gunsten Queris entschieden.
Der Streit um dieses Skandalbuch steht auch im Mittelpunkt des 2003 im Buchendorfer Verlag erschiene Lesebuchs über Georg Queri. In dem spannednen Werk werden weitere, bisher unbekannte Seiten über die Lebensgeschichte Queris aufgeblättert. Zum Beispiel über seine Verwicklung im Frühjahr 1908 in eine Homosexuellen-Affäre um den Fürsten Eulenburg, den Freund Kaiser Wilhelms II. Oder sein heftiger Literaturstreit als Lokalreporter der Münchner Neuesten Nachrichten mit dem jungen Lion Feuchtwanger; seine volkskundliche Recherchen im Januar 1911 über das Haberfeldtreiben und die drohende Beschlagnahmung seines daraus entstandenen Buches „Bauernerotik und Bauernfehme in Oberbayern“.
Einblick gibt die Ausstellung auch über die Zeit Queris als Kriegsberichterstatter für das Berliner Tagblatt, sein politisches Eintreten für Kurt Eisner und seine Mitgliedschaft bei den Sozialdemokraten in Starnberg nach der Revolution von 1918, denen er schon Jahr später wieder enttäuscht den Rücken kehrte.
Der Verleger Reinhard Piper beschrieb Queri anno 1909 wie folgt: „...ein kleiner, untersetzter Mann in grünem Lodenmantel, den moosgrünen Samthut um den kugelrunden Schädel, rötlichblonde Stoppelhaare, ein ebensolcher Schnurrbart, vor den pfiffig blickenden kleinen Augen ein scharfer Zwicker ohne Einfassung.“ Uli Singer


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